Sonntag, 18. November 2012

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Neulich erreichte mich über Facebook die Anfrage einer Bekannten, doch bitte einer bestimmten Gruppe beizutreten, die sich nach außen hin einem sozialen Zweck verschrieben hatte. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich diese Gruppe dann als Sympathisant der rechten Szene. Natürlich bekennt man sich offiziell nur zu den Vertretern des Rechtsextremismus, die sich in der Parteienlandschaft breitgemacht haben und darum bemüht sind, sich dort den Anstrich der seriösen Biedermänner zu geben, denen "das Wohl des Volkes" (natürlich nur dem deutschen Teil) ein großes Anliegen ist.

Fielen Rechtsextreme früher meist durch dumpfe Parolen auf, die den Mündern von noch dumpfer dreinblickenden Gesichtern entwichen, welche zu Wesen gehörten, deren IQ ungefähr dem eines Joghurts entsprach (also der mit den rechtsdrehenden Milchsäurebakterien), sind sie inzwischen weitaus perfider in ihren Vorgehensweisen geworden. So bedienen sie sich seit Neuestem gerne hochgradig emotional besetzten Themen, bei denen sie auf große Zustimmung im Volk hoffen können, um sich so schrittweite das Vertrauen einer möglichsten breiten Masse zu erschleichen. Denn wer emotional betroffen ist, schaut nun auch nicht mehr so genau hin, wenn dann nach und nach andere Themen auf den Tisch gebracht werden; dient es doch sicher auch der guten Sache. So weicht man Widerstand und gesunden Menschenverstand auf und wenn man erst mal in den Herzen der Menschen sitzt, dann sitzt man auch bald in den Köpfen. Soweit also die Strategie.

Aktuell ist es das Thema "Gegen Kindesmißbrauch", welches benutzt wird, um auf Stimmenfang zu gehen. Und so ähnlich heißt auch die Gruppe auf Facebook, der offenbar schon so einige Menschen auf den Leim gegangen sind. Dabei wird natürlich allzugerne übersehen, dass auch die Erziehung von Kindern zu Intoleranz und Ablehnung gegenüber Menschen aus anderen Kulturen oder gar das Aufhetzten gegen solche Menschen streng genommen eine Form von Kindesmißbrauch ist. Kinder für die Weitergabe der eigenen Propaganda zu benutzen und Hass und Angst in ihre Herzen und Köpfe zu pflanzen ist Mißbrauch von Kindern.

Also, seid wachsam, wem Ihr Euer Vertrauen schenkt und welche Gruppen Ihr unterstützt und wer Euch nur benutzen/mißbrauchen will. Angst und Hass waren noch nie gute Ratgeber, denn sie machen taub und blind für die Wahrheit.

Sonntag, 15. Juli 2012

Ein Gruß von den Naturgeistern

Heute war ich seit langem mal wieder an einem Platz, der mir schon von Kindheit an vertraut ist. Drei Quellen entspringen dort. Ein wahrer Zauberwald, in dem auch eine Quellnymphe lebt. Sie liebt Süßes, Musik, bunte Bänder und den Rauch von bestimmten Kräutern. Den genauen Ort werde ich nicht bekannt geben, aber ich habe die Erlaubnis, einen kleinen Gruß von dort hier in meinen Blog zu stellen.

Und wer genau hinhört, kann die Nymphe singen hören ...


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(Rauchopfer an der Tochterquelle)


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(Blick stromaufwärts, Richtung Mutterquelle)

(die ganz alte Quelle, die Großmutter, wollte nicht ins Bild ...)


Montag, 7. Mai 2012

Christliche Magie und Ahnenkult

Am Wochenende war ich in Münster auf einem Sippentreffen (alles Holzäpfel inkl. PartnerInnen). Ein Programmpunkt dort war der Besuch der Ausstellung im Landesmuseum Münster "Die goldene Pracht". Dort sind auch viele sakrale Gegenstände ausgestellt, die mich doch irgendwie sehr an magische Fetische und Amulette erinnert haben: Eine Goldkrone, in der Dornen von der Dornenkrone Christi mit eingebracht sein sollen, goldene Büsten mit eingearbeiteten Knochen von "Heiligen", Arme aus Gold und Silber, in denen sich ebenfalls "heilige Knochen" befinden sollen und sogar Schädelkalotten (auch von "Heiligen"), die mit Gold und Edelsteinen zu sogenannten Reliquiaren umgewandelt worden waren. Da diese Gegenstände ja dazu dienen, den Gläubigen die Kraft der "Heiligen" nahe zu bringen, vermischt sich hier zum einen die klassische Ahnenverehrung mit dem Glauben an magische Kraftgegenstände, also sozusagen "christliche Magie".  Etwas Ähnliches ist mir im Zusammenhang mit der kubanischen Religion Palo Maymobe begegnet, bei der u.a. auch Totenschädel genutzt werden, um die Kraft der Verstorbenen zu nutzen und mit ihnen zu kommunizieren.

 Reliquiar mit Schädelkalotte


sogenannte Prenda der Palo Mayombe Religion



Interessant fand ich auch die Schreine, die mich irgendwie an thailändische oder balinesische Geisterhäuschen erinnert haben, wobei die "christlichen Geisterhäuschen" doch wieder mehr der "Ahnenverehrung" dienen und daher im magischen Sinne doch eher "Behausungen" für Totengeister sind und weniger für Ortsgeister.

Marienschrein


 Thailändisches Geisterhäuschen




In einem Raum fand sich auch eine Marienstatue mit Kind. Bei dieser Figur befand sich auf der rechten Brust ein blauer Edelstein (leider konnte ich von diesem Reliquiar keine Abbildung finden). Aus der Beschreibung konnte ich entnehmen, dass unter diesem Edelstein ebenfalls in einem kleinen Fach eine Reliquie untergebracht worden war, die sogenannte Liebfrauenmilch (also die Muttermilch der "heiligen Maria"). Ich wurde bei dieser Figur ganz fatal an afrikanische Fetische erinnert, bei denen die "magische Medizin" (Knochen, Mineralien, Pflanzenteile, etc.) ebenfall an bestimmten Körperstellen eingebracht und anschließend mit einem Spiegelglas verschlossen wird. Ob da wohl der Glaube diverse afrikanische Kulturen die Menschen im Mittelalter beeinflusst hat oder standen sich die Weltbilder der sogenannten "Naturvölker" und der Menschen im mittelalterlichen Europa einfach nur näher?








Mittwoch, 11. April 2012

Österliches Basteln

Über Ostern war ich bei meinen Eltern, die weiter südlich am Rhein wohnen (das Wetter war dort aber auch nicht besser, als hier im Ruhrgebiet ;-)).
Meine Mam hatte vor kurzer Zeit einen Workshop mitgemacht, bei dem Nanas gebastelt wurden (wer nicht weiß, was Nanas sind, sollte einfach mal bei Tante Google schauen ...) und hatte mich gefragt, ob ich nicht mit ihr zusammen auch eine Nana basteln wollte.

Also legten wir los.


Zuerst wurde ein Geflecht aus Kaninchendraht zu einem Corpus entsprechend zurecht gebogen ...




... auch Arme wurden gebogen und rechts und links vom Corpus befestigt. Dann wurde das Drahtgeflecht auf einem Standfuß befestigt, den mein Pappa für uns gebastelt hatte (im Bastelladen sollen die Dinger sauteuer sein) und oben wurde eine Styroporkugel als Kopf befestigt.
Anschließend wurde alles mit Gipsbinden abgedeckt ...



... und dann mit einer gipsartigen Spachtelmasse beschmiert.



Über Nacht durfte dann alles trocknen und am nächsten Tag machten wir uns dann ans Anmalen.
 

 (Die Nana in Weiß im Hintergrund ist die von meiner Mam)



Zuhause hab ich dann meine Nana fertig gemalt und die Farbe fixiert. Und so sieht meine Nana jetz aus:


Vorderansicht



Rückenansicht



von oben



Donnerstag, 29. März 2012

Woman at work - Küche

Heute muss ich mich mal outen ;-) Nein, nicht, was Ihr eventuell denkt, sondern: ich bin leidenschaftliche Heimwerkerin! So, nun ist es raus. Ich werkel gerne rum. Mit dem richtigen Werkzeug ist das auch nicht so schwer. Natürlich kenn ich auch meine Grenzen, d.h. ich würde vermutlich keine Durchbrüche in die Wand stemmen und an die Elektrik gehe ich auch nicht dran (okay, Lampen anschließen oder mal nen Dimmer einbauen, aber das wars auch schon).

Mein letztes Projekt war die Küche. Da waren ja so einige Fliesen gebrochen (einige werden sich sicher noch gut daran erinnern können ;-)). Das Problem war jetzt allerdings Ersatzfliesen zu finden, die in Farbe und Größe passten. Also ab zu meinem Haus- und Hofbaumarkt, dem Hellweg (falls das jemand von Hellweg hier liest: ich nehme gerne Spenden für die Werbung entgegen). Dort ging ich dann in der recht überschaulichen Fliesenabteilung auf Jagd und musste feststellen, dass es das Fliesenformat von 33 x 33 wohl kaum noch gibt. Die einzigen Fliesen, die von der Größe her gepasst haben, waren leider farblich nicht wirklich kompatibel, aber die Aussicht darauf, in der gesamten Küche die Fliesen rauskloppen zu müssen (in Handarbeit, mit Hammer und Meißel und mit Fliesen die teilweise in Zement verlegt sind), um den gesamten Fußboden zu erneuern, ließ mich dann verzweifelt zugreifen.

Zuhause angekommen habe ich dann erstmal die kaputten Fliesen komplett entfernt und plötzlich enthüllte sich auch das Geheimnis der gebrochenen Fliesen. So hatte man Fliesen teilweise auf noch vorhandenen älteren Fliesen verlegt, andere Fliesen dann aber direkt auf dem Estricht. Um das Gefälle auszugleichen, wurde dann wohl nicht nach entsprechenden Mitteln gegriffen (es gibt im Baumarkt diverse Baustoffe, um so ein Gefälle auszugleichen und doch noch einen geraden Estricht hinzubekommen), sondern einzelne Fliesen auf kleinen Hügelchen aus Gips und Fliesenkleber verlegt ...



Die hellen Stellen zeigen an, wo sich diese Hügelchen befunden haben und da wundert einen auch gar nicht mehr, dass die Fliesen bei Belastung einfach brachen.

 
Die neuen Fliesen sind zwar farblich echt auffallend, aber immerhin kann man jetzt wieder in der Küche rumlaufen, ohne über geborstene Fliesen zu stolpern oder sich an den scharfen Kanten die Füße aufzuschneiden.


 Und wie das nunmal so ist, hat man erstmal angefangen, kann man schlecht wieder aufhören.

Schon lange störte mich die "Arbeitsplatte" in meiner Küche. Es handelt sich um eine sogenannte mdf-beschichtete Spanplatte im Design "Marmor" oder so, also praktisch, abwaschbar, stoßfest, nahezu unkaputtbar aber eben auch potthäßlich. Meine erste Wahl fiel ja auf Naturholzplatten aber die waren preislich nun gerade nicht drin. Außerdem riet mir eine Freundin davon ab, die genau so eine Platte hat, weil diese Platten dazu neigen, sich zu verziehen, hochzuwölben und um die Spüle herum schnell unansehlich werden.

Aber ich hatte ja gerade frisch Fliesenkleber und Fugenbund erstanden und so ewig haltbar sind diese Dinge ja auch nicht, sie mussten also weg. Außerdem lagen bei mir im Keller auch noch ein paar Fliesen rum, die ich nicht mehr brauchte. Um das Ganze dann noch farblich abzurunden, kaufte ich auch noch ein paar Mosaikfliesen in lila hinzu (seit ich denken kann, streiche ich die Wände meiner Küche in lila, egal in welcher Wohnung. Das hat bei mir schon Tradition und daran halte ich fest ;-)). 

Und schon konnte ich loslegen. Die Restfliesen waren schnell mit einem großen Hammer zerdeppert, die Leisten schraubte ich von der Arbeitsplatte los und dann wurde diese nochmal gründlich von mir gereinigt, bevor ich anfing, den Kleber draufzustreichen und die Fliesenscherben aufzukleben. Am nächsten Tag wurde dann verfugt und dann kam die nächste Arbeitsplatte dran. So habe ich mich dann ca. eine Woche durch meine Küche gearbeitet, aber das Ergebniss gefällt mir sehr gut.

 
Hier mal zum Vergleich ein Foto der Arbeitsfläche vor meine Aktion mit der langweiligen mdf-beschichtete Oberfläche.


Und so sieht die Arbeitsfläche jetzt aus.


Und hier noch eine Nahaufnahme.


Jetzt muss ich das Ganze nur noch imprägnieren, damit die Fugen nicht mit der Zeit fleckig werden ... mal schauen, was ich danach als nächstes Projekt angehe ;-)

Mittwoch, 21. März 2012

Dachdecker

Da meinte doch neulich jemand zu mir, dass die Dachdecker-Story, die ich auf FB gepostet habe, eigentlich auch hierher gehören würde ... okay, dann kopier ich die einfach mal hier rein ...

Da gibt es in Dortmund-Hörde eine Dachdeckerbetrieb, dem es offenbar wirtschaftlich so hervorragend geht, dass er es sich leisten kann, potentielle Kunden zu vergrätzen ... anders kann ich es mir nicht erklären, dass jemand zu einem zugesagten Termin NICHT kommt und auch nicht anruft, um abzusagen. Was im Privaten einfach nur schlechter Stil ist, nennt man im geschäftlichen Bereich dann wohl Antiwerbung ... nun gut, es gibt ja auch noch andere Handwerskbetriebe ...

Nachdem mich also der erste Dachdecker hat hängen lassen, machte ich mit einem anderen Betrieb einen Termin und dann stand er auch pünktlich vor meiner Tür, der "Dachdecker-Schamane" (warum ich ihn so nenne, ergibt sich aus der Geschichte). Dieser übersinnliche Vetreter seiner Zunft ließ sich also die feuchte Stelle an der Decke zeigen, öffnete dann dann Fenster und - nein, er stieg nicht hinaus - SAH hinaus. Gut, von dort konnte er nun unmöglich die mögliche Schadstelle sehen, aber diese hat er dann wohl mit Hilfe seiner Fähigkeiten einfach "angereist". Er schloss dann wieder das Fenster, meinte zu mir, dass die Gaube wohl baugleich zu der des Nachbarn wäre und teilte mir dann mit, dass die Reparatur wohl so an die 2,5 Stunden dauern würde, ausgeführt von zwei Gesellen, was so an die 400,- Euro machen würde ... und das alles, ohne sich die vermeintlich schadhafte Stelle auch nur mit seinen Augen angesehen zu haben ... Da mussten definitiv Schamanenkräfte am Werk sein, nur leider reichten diese dann wohl nur aus, um einen Preis zu nennen, nicht aber, um mir genau zu sagen, WAS denn da nun schadhaft sei, bzw. WAS genau da ausgebessert/ausgetauscht/repariert werden sollte ...

Also bekam jetzt Dachdeckerbetrieb Nr.3 seine große Chance. Der Handwerker war auf die Minute genau pünktlich, besah sich die feuchte Stelle an der Decke und STIEG AUFS DACH! Dann rückte er dort einige Schindeln hin und her, um zu sehen, wo denn da genau Wasser hineingelaufen war. Nach einiger Zeit erschien er dann wieder am Fenster (dem Ausstieg) und teilte mir mit, dass dort keine schadhafte Stelle zu sehen sei. Vermutlich wurde das Wasser durch einen heftigen Wind (bei den Januarstürmen) unter das Abdeckblech gedrückt, kaputt sei dort auf jeden Fall gar nichts. Dann schloß er das Fenster und riet mir, die Stelle einfach zu beobachten, aber seiner Meinung nach, dürfte da nichts mehr passieren. Das Dach jedenfalls sei dicht. Ich bedankte mich und fragte dann noch, was er denn nun dafür bekommen würde (immerhin hatte er An- und Abfahrt und hat ja nun auch eine "Diagnose" gestellt), worauf hin er zu mir meinte, er bekäme dafür nichts, dass wäre doch Service am Kunden. Boah. SERVICE AM KUNDEN, Wahnsinn, das es sowas noch gibt. Einfach klasse. Es gibt offenbar doch noch Handwerker (insbes. Dachdecker), die ihren potentiellen Kunden HULD, äh hold sind.

Sonntag, 11. März 2012

Kirche oder Komödie?

Da ich meine Fernsehprogramme über Satellit empfange, habe ich Zugriff auf eine Vielzahl von Programmen von denen ich zuvor nicht mal wusste, dass sie überhaupt existieren. Ich rede jetzt nicht von den ganzen ausländischen Sendern, die ich empfangen kann, sondern eher von so skurrilen Dingen wie den Angler-Kanal, Kaninchenzüchter-TV, etc. Beim Zappen blieb ich dann neulich beim Sender K-TV hängen. Das ist ein Kanal, der offenbar zur römisch-katholischen Kirche gehört. In der aktuellen Sendung erklärte anscheinend ein Pastor diverse Begriffe des Alltags, indem er sich auf die christliche Mythologie bezog, bzw. er versuchte es. Nun bin ich ja in einem christlich gepägten Land großgeworden und so sind mir diverse Dinge durchaus geläufig, trotzdem hatte ich ziemliche Mühe, dem Menschen bei seinen Ausführungen zu folgen. Zu verwirrt erschienen mir seine Worte und hin und wieder war die Verwirrung auch auf seinem Gesicht abzulesen, nämlich immer dann, wenn er mitten im Satz innehielt und hilfesuchend irgendwo ins Leere starrte ... 


video 

... Spontan fiel mir plötzlich eine Szene aus "Das Leben des Brian" ein, bei der nicht nur die Art zu sprechen sondern auch die Gestik eine verblüffende Übereinstimmung zeigt. Seitdem frage ich mich, ob diese Sendung auf K-TV wirklich ernst gemeint war oder gar Satire. Nun wer weiß das schon, die "Wege des Herrn" sind ja bekanntlich unergründlich ...



Varuna

Freitag, 9. März 2012

Fachsprache und Fachidioten


Im Physik Grundkurs in der Schule hatte ich einen Lehrer, der großen Wert auf die ordnungsgemäße Verwendung der "Fachsprache" legte. Es machte eine ganze Note Unterschied, ob man seine Beobachtungen und Gedankengänge in "Fachsprache" äußerste oder einfach in normal verständlichem Deutsch. Ich empfand dies damals als skurile Marotte eines Fachlehrers ...

Ein paar Jahre später auf der Uni begegnete mir dieses Phänomen erneut bei einigen speziellen Exemplaren der Gattung Student. Da entschied die Fachsprache darüber, ob man nun "in" war und dazu gehören durfte oder nicht. Die Häufigkeit der Verwendung der richtigen Fachbegriffe schien sich da oft umgekehrt proportional zum Selbstwertgefühl zu verhalten. Auch nach Studienabschluss stoße ich hin und wieder auf Menschen, die sich eines so häufigen Gebrauchs ihrer entsprechenden Fachsprache befleißigen, dass man den Eindruck hat, sie wollen gar nicht, dass Fachfremde sie verstehen.

Nachvollziehen kann ich den Gebrauch der Fachsprache (auch Idiom genannt) auf Tagungen und Kongressen, wo man quasi "unter sich" ist, grotesk wird es allerdings immer dann, wenn Fachleute auf Laien stoßen und nun meinen, die in ihrer Fakultät vorherrschende Lehrmeinung "unter das Volk" bringen zu müssen. Da kann man dann mitunter ein spannendes Phänomen beobachten. Zu Beginn des Gesprächs bemühen sich diese Fachleute um eine klar verständliche Sprache, sobald sie aber bei ihrem Gegenüber auf Kritik stoßen, flüchten sie sich in ihren Elfenbeinturm, ziehen die Fallbrücke hinauf und beginnen, mit Hilfe der Fachsprache, unüberwindbare Mauern hochzuziehen, die dem anderen vor allem eins beweisen sollen: nämlich dass er Laie ist und daher auch keine Ahnung habe. Von den Mauern seiner Festung sieht der Fachmann dann auf den Laien, den Nichtwissenden, herab und die Fachsprache bietet ihm eine gute Möglichkeit, sich dem anderen überlegen zu fühlen.

Nun ist die Strategie, sich durch Sprache ab- und damit andere Menschen auzugrenzen nichts Neues. Völker grenzen sich durch ihre Sprache voneinander ab und mit der Sprache wird eine ganze Kultur transportiert und mitunter auch konserviert. Auch die frühere Oberschichte nutze im Alltag eine andere Sprache als die Unterschicht. Je nach Mode und Zeit war das mal Latein oder auch Französisch. Da diente die Sprache auch dazu, seinen Rang zu festigen und sich gegenüber dem Pöbel abzugrenzen. Nicht umsonst spricht man auch von Sprachgrenzen.

Man kann mit Sprache also ganz bewusst Grenzen auf- oder auch abbauen. Sucht man den Dialog mit anderen (sozusagen fachübergreifend) wird eine allgemein verständliche Sprache genutzt, fachsimpelt man mit Kollegen, wird gerne mal auf die Fachsprache zurückgegriffen. Wenn man allerdings anfängt, während eines Gesprächs mit einem Fachfremden in sein entsprechendes Idiom zu fallen, dann zeigt das weniger den Fachmann als eher den Fachidioten.


Varuna

Donnerstag, 8. März 2012

Senile Bettflucht?

So. Da bin ich also heute morgen gegen 4.00 Uhr aufgewacht, obwohl mein Wecker doch erst um 5.30 Uhr klingelt. Und nicht nur das, ich hatte beim Aufwachen noch so einen Gedanken im Kopf - "Ein Blog wäre was Schönes". Also gut, die Nacht war sowieso im Eimer, da konnte ich mich auch mal direkt an den PC setzen und schauen, was es da so an diversen Blog-Angeboten gibt ... vorest habe ich mich für dieses Angebot hier entschieden.

Und da ist er nun: mein Notizblock, ach quatsch, mein BLOG.

Tja, mal schauen, mit welchen Themen der sich füllen wird ... wer mich kennt, weiß, dass alles möglich ist ;-).

Nur frage ich mich immer noch, was war das, was mich da noch fast mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt hat. Senile Bettflucht oder einfach nur der Vollmond?

Varuna